Lob & Strafe

 

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Der Einsatz von Lob und Strafe bei der Hundeerziehung 

 

Ein Hund ist ein Opportunist: Das bedeutet, er verhält sich genau so, wie es für ihn von Vorteil ist, und er vermeidet Verhaltensweisen, die ihm zum Nachteil gereichen.

 

Das ist gut und macht die Erziehung von Hunden überhaupt möglich und generell einfach – das bedeutet aber gleichzeitig, dass wir den Hund in die rechte Bahn lenken und leiten müssen, da er erwünschtes Verhalten nicht von alleine deswegen zeigen wird, weil er uns so lieb hat und sich uns verpflichtet fühlt. Das sind menschliche Denkweisen die auf einen Hund nicht anwendbar sind.

 

Um ein erwünschtes Verhalten nun zu formen und zu festigen (oder, anders ausgedrückt: den Hund zu erziehen), müssen wir den Hund immer dann loben und bestätigen, wenn er „richtiges“ Verhalten zeigt – falsche Verhaltensweisen dagegen müssen sanktioniert werden.

  

Wie wird nun überhaupt gelobt und gestraft? Wie sieht das eigentlich aus? 

 

Bei einigen Dingen und manchen Hundetypen reicht es aus, das falsche Verhalten zu ignorieren und dafür das Richtige zu bestätigen. Oft aber muß falsches Verhalten negativ belegt werden, da reines Ignorieren nicht ausreicht, dem Hund das falsche Verhalten zu verleiden. Dabei reicht die Palette denkbarer negativer Bestätigungen von einem verbalen „Nein“ oder „Pfui“ bis hin zu körperlichen Einwirkungen. In der Stärke immer dem Hund und seinem Naturell angepasst. Es gibt Hunde für die bricht die Welt zusammen wenn die Besitzer nur laut werden und schimpfen – und es gibt Andere, die juckt das nicht die Bohne.

 

Eine Einwirkung auf einen Hund – egal ob verbaler oder körperlicher Art – ist immer dann ausreichend, wenn der Hund eine deutliche Reaktion auf diese Einwirkung zeigt. Sprich: das unerwünschte Verhalten abbricht oder zumindest abmildert.

 

Jede Einwirkung auf die der Hund nicht reagiert, ist ausgesprochen gefährlich: Denn sie macht den Hund nur stumpf; er lernt, solche Einwirkungen zu ertragen, sie gehören für ihn quasi zum Leben dazu ohne dass er was dagegen tun kann – er lebt also fortan mit diesen Widrigkeiten ohne dass diese auch nur das Geringste bewirken. Was das bei einer 70 Kg schweren, bärenstarken Dogge für den Hundeführer bedeutet der am anderen Ende der Leine hängt und verzweifelt versucht, seine Dogge von einem bestimmten Tun abzuhalten, kann sich jeder ausmalen.

 

Haben wir dem Hund nun also eine Einwirkung gegeben auf welche er sein unerwünschtes Verhalten abgebrochen hat, so MUSS auf der Stelle ein Lob / eine positive Bestätigung erfolgen!

 

Auch hier gilt, genau wie bei der negativen Verstärkung: Immer so viel Lob / positive Verstärkung, dass der Hund eine sichtbare freudige Reaktion zeigt.

 

Mehr ist kontraproduktiv. Führt der HF jedes Mal für ein Lob einen wahren Freudentanz auf und schmeißt mit Spielzeug und Leckerchen um sich, so wird er für den Hund unglaubwürdig. Und wenn der Hund einmal einen wirklich tollen Gehorsam gezeigt hat, hat man keine Möglichkeit mehr, ihm zu zeigen dass er gerade etwas ganz besonders Tolles gemacht hat. Also das Lob variieren je nachdem ob das Gezeigte gerade besonders schwierig für den Hund oder aber besonders wichtig für den HF war.

 

Loben, also motivieren, kann man einen Hund grob gesagt auf dreierlei Weise: Durch verbales Loben / Streicheln und Klopfen, und mit dem Hund (ohne Spielzeug) spielen – durch Leckerchengaben – oder durch gemeinsames Spielen mittels Spielzeug (Zerrspielzeug, Bälle werfen etc.). Die meisten HF nutzen je nach Situation alle drei Möglichkeiten – es gibt aber auch Hunde die sprechen auf eine oder mehrere der Bestätigungsmöglichkeiten gar nicht an. Das sollte der HF dann auch so akzeptieren und halt auf das zurückgreifen, was funktioniert. Es nutzt nichts, einem Hund, der Null Interesse an Beutespielen hat, damit bestätigen zu wollen, dass wir ihm ein Zerrspiel mit einem Seil anbieten. Oder einem schlechten Fresser ein Leckerlie ins Maul stopfen welches er dann ausspuckt. Das sieht der Hund dann nicht als Belohnung an – und damit sieht er keinen Sinn darin sein unerwünschtes Verhalten in ein für uns erwünschtes Verhalten umzuändern – weil es ihm nichts bringt, denn unsere „Belohnung“ ist für den Hund keine. 

 

Warum geht es nicht einfacher oder nur mit positiver Bestätigung? 

 

Die Krux ist, dass die meisten Verhaltensweisen die wir als „unerwünscht“ ansehen, für den Hund normal sind und außerdem selbstbelohnend.

Es ist normal für einen Hund, einen fremden Hund, der ihn anpöbelt oder auch nur mit Blicken provoziert, ebenfalls anzupöbeln.

Jagen ist für einen Hund völlig normal. Und darüber hinaus ist es selbstbelohnend selbst wenn der Hund das Wild nie erreicht – der Adrenalinausstoß beim Rennen ist Belohnung genug.

Es ist normal wenn ein Hund an Menschen zur Begrüßung hoch springt.

Das Zerreißen von Zeitungen oder zerkauen von unseren Schuhen verschafft ihm Befriedigung.

 

Unsere Strafe verleidet ihm also diese Verhaltensweisen, und gleichzeitig bieten wir ihm durch unsere Belohnung eine Alternative: Eine Streicheleinheit, ein Leckerchen oder ein Spiel mit uns.

 

Ein Hund wird nur dann Artgenossen oder Wild stehen lassen und auf Zuruf schnell und freudig zu uns zurücklaufen, wenn er

a)      weiß dass es unangenehme Folgen hat wenn er unseren Zuruf ignoriert und

b)      sich davon etwas verspricht, was ihm wichtig ist: Die Aussicht auf Belohnung.

 

Fehlt Punkt a), dann könnte der Hund anfangen abzuwägen, was ihm wichtiger ist: Die selbstbelohnende Verhaltensweise des Artgenossenkontakts oder der Jagd, oder unsere Belohnung. Und da schneidet unsere Belohnung leider häufig relativ schlecht ab. 

 

Das Umschalten von Strafe auf Lob und umgekehrt 

 

Mindestens genauso wichtig ist, dass der HF schnell umschalten kann von Strafe auf Lob. Und zwar innerhalb von Sekundenbruchteilen. In dem Moment wo der Hund das unerwünschte Verhalten sein lässt und sich uns zuwendet, muß jede negative Einwirkung auf der Stelle (!!!) enden und ersetzt werden durch positive Bestärkung! Ansonsten strafen wir den Hund dafür dass er sich uns zugewendet hat – und das verwirrt ihn selbstverständlich völlig und trägt nicht gerade zu einem guten Hund-HF-Verhältnis bei.

Das „Klassikerbeispiel“ dafür ist der HF, den erst vergeblich seinen Hund gerufen hatte – und der dann den Hund, wenn dieser irgendwann doch zu ihm zurückgekehrt ist, bestraft. Der Hund wird die Strafe immer auf das Zurückkehren zum HF beziehen und nicht mehr auf den Ungehorsam, den er davor an den Tag gelegt hatte. In Zukunft wird dieser Hund es vermeiden, zu Herrchen zurück bzw. in dessen Reichweite zu kommen.

 

Die Strafe während des falschen Verhaltens signalisiert dem Hund ja „Was Du tust mag ich nicht, lass das sein“. Sobald er das dann tut, muß natürlich ebenso deutlich die Ansage kommen „Das was Du jetzt tust ist richtig“. Schwarz/Weiß – Falsch/Richtig. Alles dazwischen sind Grautöne die der Hund nicht versteht, die Erziehung torpedieren und den Hund nur verwirren weil keine klaren Grenzen mehr gesetzt werden. Ein Hund versteht kein „Vielleicht“ oder „Manchmal“ – ein Hund versteht nur „Ja“ oder „Nein“.

 

Es kann nun gut sein, dass der Hund unser Lob zum Anlaß nimmt, auf der Stelle die soeben abgebrochene Verhaltensweise wieder aufzunehmen, quasi dort weiterzumachen, wo er soeben aufgehört hat. Auch hier muß das Umschalten von Lob auf Strafe wieder genauso schnell erfolgen und dem Hund damit konsequent vermittelt werden, wo genau die Grenzen nun verlaufen, die wir ihm setzen.

  

Wieviel Lob und Strafe muß denn nun sein? 

 

Wenn ein Hund im Erziehungsprozeß nun anfängt, in Situationen, in denen er bislang falsches Verhalten zeigte, diese aufzugeben und stattdessen aus eigenem Antrieb richtiges Verhalten anzubieten, dann muß dieses selbstverständlich ebenfalls sofort und nachhaltig gelobt und bestätigt werden! Es dauert sehr lange bis das „richtige“ Verhalten im Hund so festzementiert ist dass es für ihn „normal“ wird. Erst dann sollte man das Lob abbauen, das heißt, erst dann kann man auch mal so eine Situation durchstehen ohne den Hund jedes Mal für sein richtiges Verhalten zu loben. Hin und wieder aber sollte das Lob ein Hundeleben lang kommen. Und wenn es nur ein leises „Fein gemacht“ ist.

 

Wer nun durch das Lesen dieses Artikels den Eindruck gewinnt, dass unser Zusammenleben mit dem Hund zum größten Teil von Strafe geprägt wird, der denkt zu einseitig.

 

Selbstverständlich soll und muß das Lob die Strafe bei Weitem übertreffen.

 

Bei einem jungen unverdorbenen Hund, der mit uns anfängt zu lernen, wird es wenig Situationen geben wo wir ihn strafen müssen, bzw. es reichen sehr gering dosierte Strafen aus. Der Hund ist eh noch eher unselbstständig und fühlt sich ohne uns unsicher. Er wird in vielen Situationen sich erstmal uns zuwenden und „fragen“. Das nutzen wir für ein Lob, rufen den Hund zu uns und knuddeln oder spielen mit ihm oder geben ihm ein Leckerchen.

 

Ein älterer Hund der unerzogen zu uns kommt, verhält sich anders. Er ist selbstbewusster und selbstständiger und versichert sich bei uns eher selten oder nie zurück, ehe er ein unerwünschtes Verhalten beginnt. Warum auch, er glaubt ja, sich richtig zu verhalten und das zu dürfen.

Dort gilt es, die ersten Anzeichen dafür zu erkennen und dort schon einzuwirken, und nicht erst zu reagieren, wenn der Hund schon mitten in der Pöbelei steckt oder uns quer über die Straße zerrt. Dem Hund muß dann schon bei den ersten feinen Anzeichen konsequent immer gezeigt werden was er nicht darf. Da aber auch ein älterer Hund noch lernen kann wird mit der Zeit auch bei ihm immer weniger Strafe erforderlich sein und dafür immer mehr Situationen absolviert werden, in denen er Lob erntet.

Meistens muß man, zumindest am Anfang, bei einem solchen Hund allerdings wesentlich härter und höher dosierte Strafen anwenden, um überhaupt zu ihm durchzudringen, oder weil er im schlimmsten Fall (siehe oben) gelernt hat, unsere Einwirkungen zu ignorieren.

Notfalls muß man zu gewissen Dingen oder Situationen mehr Abstand halten um den Hund überhaupt ansprechbar zu bekommen und so die Gelegenheit zu erhalten, auch Lob verteilen zu können.

 

Man braucht im Übrigen überhaupt keine Angst zu haben, dass unser Verhältnis zum Hund darunter leidet, dass wir ihm konsequent die Grenzen aufzeigen und dabei auch hin und wieder einmal negativ einwirken. Das Gegenteil ist der Fall.

Ein Hund kann zwar als Reaktion auf eine Einwirkung teilweise sehr jämmerlich ausschauen – er legt die Ohren an, duckt sich oder zieht die Rute ein. In dem Fall sollte man zum Einen daraus lernen und beim nächsten Mal die Intensität der Einwirkung verringern.

Zum Anderen ist das trotzdem nicht schlimm. So zerbrechlich sind unsere Bande zum Hund nämlich (Gottseidank) gar nicht. Wird dieser Hund nun nach Änderung seines Verhaltens in von uns Erwünschtes gelobt und bestätigt, so wird er dies umso freudiger annehmen und unser „Fauxpas“ ist vergessen.

 

Loben darf man im Übrigen auch in Situationen die man als „selbstverständlich“ ansieht, z.B. beim leinenzerrenden Hund der am Ende des Spaziergangs so ausgepowert ist dass er dort ganz von alleine an lockerer Leine läuft. Da vergisst man dann als Mensch nämlich relativ schnell, dass man da nun loben könnte.

 

Oder beim Hund der auf dem Spaziergang aus nicht erkennbaren Gründen einfach mal so zu uns läuft und uns anschaut.

 

Je weiter der Erziehungsprozeß fortschreitet, desto weniger werden die Strafen und desto mehr werden die Situationen in denen wir loben können.

 

Erst beim vollständig erzogenen Hund – und das wird in der Regel 1-3 Jahre Zeit in Anspruch nehmen - sollte man dran denken das Lob generell etwas abzubauen. Vollständig nie. Auch wir schätzen es schließlich, nach 20 Ehejahren vom Partner hin und wieder eine Aufmerksamkeit zu bekommen oder vom Chef ein Lob… dann kommen wir auch nicht so schnell auf die Idee uns nach einem anderen Partner oder einem anderen Job umzusehen – und der Hund kommt weniger auf die Idee, vielleicht doch noch einmal gewisse Dinge und Grenzen auszutesten bzw. zu überschreiten…

 

 

Autorin: Bettina Balters

 

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