.Tatort

 

Leon goes to Hollywood

 

7 Tage Dreharbeiten mit Dogge zum Tatort „Krumme Hunde“

 

 

 

 

 

 

 Ende Oktober 2007 erreichte mich ein Anruf des Filmtiertrainers Dirk Lenzen (www.animalstar.de). Kurz und bündig teilte er mir mit, dass er eine Dogge für Filmaufnahmen suche und da ich mich vor knapp 3 Jahren in seine Filmtierdatei eingetragen hatte, kam nun die Nachfrage ob ich noch zur Verfügung stände.

 

 

 

 

 

Bei diesem Casting im Jahr 2005 hatte ich – just for fun – meine beiden Hunde „Ginger (Silver) vom Rieseneck“ und „Leon vom Rieseneck“ vorgestellt. Überprüft wurden dort der Grundgehorsam, Kunststückchen und besondere Fähigkeiten des Hundes, ganz wichtig war dabei das Selbstbewußtsein und der Charakter des Hundes und Sicherheit bei der Ausführung von Kommandos auch in ungewohnter und hektischer Umgebung. 

 

Jetzt, nachdem ich das Casting schon fast vergessen hatte, freute mich das Filmangebot umso mehr. Dirk Lenzen hat mehrere Doggen in seiner Filmtierkartei, aber Leon ragte aufgrund seiner überdurchschnittlichen Fähigkeiten (neben solidem Grundgehorsam komplette hundesportliche Ausbildung und diverse Kunststückchen) sowie seines ruhigen und selbstsicheren Auftretens weit heraus. Ein weiterer Pluspunkt für uns war meine Hündin Silver, die bei gleichem Ausbildungsstand notfalls als Double eingesetzt werden konnte. 

 

Nach einem Besuch bei der Produktion in Köln Anfang November 2007 mit dortiger Vorstellung der Hunde starteten die Dreharbeiten für uns am 13.11.2007 in Köln.

 

 

Da es sich um einen Münster-Tatort handelte, drehten wir mit den Schauspielern Jan Josef Liefers, Axel Prahl und ChrisTine Urspruch. Alle drei waren ausgesprochen nett und freundeten sich rasch mit Leon, der im Film „Wotan“ heißt, an. Vor Allem die kleinwüchsige ChrisTine hatte mit ihren 1,32m überhaupt keine Berührungsängste mit Leon (87 cm Rückenhöhe). Die zwei waren schon rein optisch ein gelungenes Team, zumal sich ChrisTine im Film als „Ersatzfrauchen“ um Leon kümmert.

 

Das Filmteam, welches insgesamt aus etwa 20-30 Personen bestand, hatte ebenfalls keine Probleme mit großen Hunden und so konnten wir uns mit Hund unangeleint und locker überall frei bewegen. Wie sich herausstellte, sind Drehtage lang – 10 bis 12 Stunden sind keine Ausnahme sondern eher die Regel, und die lockere Aufnahme und die Bewegungsfreiheit am Set trugen ihren wichtigen Teil dazu bei, Leon bei Laune zu halten.

Durch den Filmtiertrainer Dirk Lenzen wurden im Vorfeld wichtige Bedingungen vertraglich fixiert. So gibt es neben der Absicherung durch eine spezielle Haftpflichtversicherung einen für alle am Set befindlichen Personen verbindlichen Verhaltenskatalog gegenüber dem Hund sowie die strikte Absicherung des Hundes, was dessen Einsatz am Dreh, dessen Möglichkeiten und Grenzen angeht. Das Wohl des Hundes ist dabei unantastbar, bei Streß oder Überarbeitung des Hundes können z.B. jederzeit Pausen gefordert oder bestimmte Einstellungen verweigert werden.

 

 

Bei uns gab es diesbezüglich jedoch überhaupt keine Probleme. Der Verhaltenskodex des Filmteams dem Hund gegenüber wurde rasch gelockert, da Leon als sehr menschenfreundlicher Hund der sich dennoch bei der „Arbeit“ nicht ablenken lässt, problemlos von Jedem angesprochen, angefasst und betüddelt werden konnte. Wovon dann auch ausgiebig Gebrauch gemacht wurde den Leon mit Hingabe genossen hat!

Wir mussten rasch feststellen, dass Dreharbeiten harte Arbeit bedeuten und richtig schlauchen. Immer wieder Proben, teils –zig mal wiederholte Drehs der einzelnen Szenen, dazwischen Pausen für den Umbau etc. ziehen sich über den gesamten Tag und sind für Mensch und Hund ganz schön anstrengend. Hut ab vor den Schauspielern, die auch nach 14 Stunden noch das gleiche freundliche Gesicht machten wie zu Drehbeginn, der Regie die trotz Nonstopbeanspruchung gleich bleibend freundlich, geduldig und ruhig blieb, und dem gesamten restlichen Team welches bei all dem Streß nie die gute Laune und die Freundlichkeit vermissen lies.

Luxus am Drehort sollte man nicht erwarten, zwar war die Verpflegung immer ausgesprochen gut und reichlich, aber bei Drehorten in ungeheizten Kellerräumen oder nächtlichen Dreharbeiten auf einer Baustelle im Freien frieren Schauspieler, Komparsen, Regie und Co. kollektiv und gleichermaßen. 

Was für ein Aufwand – für 3-6 Filmminuten pro Tag!

 

Da regten sich bei mir anfangs natürlich leise Befürchtungen, durch den naturgemäß unsicheren Faktor „Hund“ das Filmteam hoffentlich nicht allzu sehr aufzuhalten.

Aber wie es sich herausstellte, waren meine Sorgen diesbezüglich völlig unbegründet. Selbst beim Dreh in der echten Wuppertaler Pathologie, wo ich im Vorfeld etwas Sorgen wegen des dort ja vorhandenen Leichengeruchs hatte, war für Leon die Angelegenheit nach einem kurzen prüfenden Nase-in-die-Luft-strecken und sofortiger Spielerunde mit mir in den Räumlichkeiten erledigt. 

Leon zeigte sich gewohnt freundlich und selbstsicher in dem für ihn völlig ungewohnten filmischen Umfeld. Lautlos heranrollende Kamerawagen, fellige, knapp über Kopf gehaltene Mikrofone, und das Abverlangen von Kommandos in hektischer Filmumgebung wobei sich oftmals 10-20 Leute um den Drehort drängten, ließen ihn völlig kalt. Er lies sich von mir problemlos auch auf große Entfernung dirigieren, einzelne Sequenzen wurden zusammen mit mir und Filmtiertrainer Dirk Lenzen in Minutenschnelle eingeübt und anschließend im Zusammenspiel mit den Schauspielern reibungslos vor laufender Kamera gezeigt.

 

Anspringen z.B. wurde kurz mit Jan Josef Liefers und Axel Prahl eingeübt, das für ihn übliche Kommando „Hopp“ dafür kurzfristig ersetzt durch ein Stichwort welches in der Sprechrolle der Schauspieler vorkam, und schon hatte Leon sich auf die neue Situation umgestellt.

 

   

 

In diesen Szenen war der Respekt der Schauspieler vor 75 Kg Hund übrigens durchaus bemerkbar, aber ein wahrer Profi lässt sich dadurch natürlich nicht aus der Rolle bringen, auch die Bekanntschaft mit Doggensabber wurde allen Beteiligten zuteil und das Handtuch eine gefragte Requisite…! 

Leon konnte beim Dreh den Vorteil seiner hundesportlichen Ausbildung voll ausspielen, da er es gewohnt ist auf Sitz, Platz oder Steh diese Positionen auch auf Entfernung zuverlässig einzunehmen und bis zur Kommandoauflösung zu halten. Gefragt war auch „Gib Laut“ – natürlich auch jeweils auf Entfernung, da ich mich als Hundeführerin in der Regel hinter der Kamera befand oder eben in der Richtung außerhalb des Bildes, in welche der Hund schauen sollte.

In Sprechpausen der Schauspieler konnte ich dabei meine Kommandos wie gewohnt geben, da dies hinterher aus der Tonspur geschnitten wird – bei Aktionen während der Texte musste allerdings alles auch per Handzeichen klappen. 

Ich selber befand mich beim Dreh entweder hinter der Kamera oder aber davor, meistens knapp außerhalb der Kameragrenzen, manchmal aber doch „eigentlich“ im Bild aber dort unsichtbar z. B. unterm Tisch versteckt. 

Leon reagierte sehr flexibel auf für ihn ungewohnte Anforderungen, wie an Türen kratzen, fremde Leute anspringen, mit fremden Darstellen umherlaufen, oder gar das Besteigen und Stehen auf einem gedeckten Tisch. Für ein Leckerchen oder die Aussicht auf ein Zerrspiel zeigte er gerne das geforderte – manchmal auch 15 Mal hintereinander…

 

7 Tage Dreharbeiten gingen viel zu schnell vorbei, die tolle Aufnahme durch das Filmteam und die reibungslose kompetente Begleitung und Anleitung durch Dirk Lenzen tat ihr Übriges dazu dass der Abschied dann nicht leicht fiel. Aber was bleibt ist schließlich eine einzigartige Erinnerung, wenn dieser Tatort dann -  voraussichtlich am 18. Mai 2008 mit dem Titel „Krumme Hunde“ -  in der ARD ausgestrahlt wird. 

Das Münsteraner Ermittlungsteam verspricht ohnehin immer gute und humorvolle Unterhaltung, und Leon kommt ausgesprochen eindrucksvoll und präsent rüber auf dem Bildschirm. Zitat von der Produzentin des Films, Sonja Goslicki: 

„Der Hund stiehlt den Schauspielern glatt die Show!“ 

„Tiere suchen ein Zuhause“ (WDR Köln) hat die Dreharbeiten, genauso wie das Casting vor 3 Jahren, ebenfalls filmisch begleitet und dokumentiert. Der entsprechende Beitrag wird voraussichtlich kurz vor oder nach dem 18. Mai 2008 regional ausgestrahlt. 

Alles in Allem – ein stressfreier Dreh mit hohem Spaßfaktor – und ein einmaliges Erlebnis!